Die Menschenrechte des Westens

11 07 2008

Heute vor 13 Jahren passierte in der bosnischen Stadt Srebrenica eines der schrecklichsten Verbrechen an der Menschlichkeit. Offiziell wurden insgesamt 8000 bosnische Männer und Jungen von der serbischen Armee unter den Augen der Uno ermordet. Ihre Leichen wurden in Massengräbern vergraben. Man kann aber davon ausgehen, dass die Zahl der Toten weitaus höher ist als offiziell dargestellt. Viele Gräber können nach großen Vertuschungsaktionen gar nicht mehr gefunden werden. Die Tat allein ist schon menschenunwürdig, doch die Tatsache, dass so etwas Abscheuliches mitten in Europa in einer „UN-Schutzzone“ passieren konnte ist einfach feige und menschenverachtend. Dreizehn Jahre nach dem Genozid fahnden Nato-Einheiten noch immer nach den Hauptverantwortlichen.

Hier nochmal chronologisch die Ereignisse von damals: Die Lage in Jugoslawien wurde wegen des Bürgerkriegs zunehmend bedrohlischer. Deshalb verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im April 1993 die Resolution 819, die Srebrenica und die umliegende Region zur Schutzzone (safe area) machen sollte. Im Frühjahr 1995 verschlechterte sich die Lage. Bosnisch-serbische Verbände blockierten die Wege zur Schutzzone, weshalb es dort zur Verknappung der Vorräte kam. Die Truppen, die zum Material- und Lebensmittelnachschub die Schutzzone verließen, durften nicht wieder zurück.

Nach dem Einmarsch der Serben in Srebrenitsa flohen tausende der bosnischen Einwohner nach Potocari (ca. 20.000 bis 25.000) um Schutz in der UN-Basis zu suchen. Etwa 10.000 Menschen versuchten durch die Wälder nach Tuzla zu kommen – die meisten kamn dort nie an. In Potocari wurden die Frauen von den Männern getrennt und in eine bosnisch-kontrollierte Zone gebracht. Viele Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt. Die bosnischen Männer wurden aussortiert, abtransportiert und exekutiert. Alles war geplant und wurde eiskalt durchgeführt.

Wirklich abscheuhlich ist aber, dass Un-Soldaten den serbischen Einheten bei der Selektion der Menschen geholfen haben. Die vereinten Nationen schickten keine Unterstützung. Die Menschen waren den Serben ausgeliefert. Während sich die UN-Soldaten nach dem Rückzug nach Kroatien bei Schampus und Sekt feierten entstanden in Srebrenitsa Massengräber. 21 dieser Gräber wurden gefunden. Mehr als 8.000 Menschen wurden Opfer der serbischen Tötungsmaschinerie.

Die UNO muss sich nicht dafür verantworten. Weder die holländischen Einheiten werden zumindest für die Duldung des Massenmords belangt, noch wurden die „Organisatoren“ Radovan Karadzic und Ratko Mladic festgenommen. Den Hinterbliebenen bleibt nur das Warten und Hoffen.

Mitten in Europa geschieht die scheußlichste ethnische Säuberung nach dem 2. Weltkrieg und weder Medien noch die Politik interessieren sich für den Völkermord. Ich habe heute mal in alle gängigen deutschen Nachrichtenportale reingeschaut, um zu sehen was über die Gedenkfeier in Srebrenitsa (ca. 30.000 Teilnehmer) berichtet wird. Nichts! Fast überall steht der „Doping-Fall Beltran“ bei der Tour de France als Meldung des Tages. Erst nach mühsamer Suche findet man überhaupt einen Artikel zu Srebrenitsa. Enttäuschend.  Wirlich enttäuschend. Die hochgelobte, freie westliche Welt ist nur frei wenn man wirklich dazugehört. Die Menschenrechte des Westens beschränken sich leider vielzuoft nur auf die Menschen im Westen. Und selbst dort nicht immer auf Alle!

Man stelle sich vor, die Serben hätten damals einen „stinknormalen“ amerikanischen Bürger festgenommen. Was wäre dann passiert? Mein Recht-Professor sagte einmal vor 600 Studenten, dass die USA wahrscheinlich einen in Grönland vermissten US-Amerikaner mit einer Spezialeinheit dort rausholen und Grönland daraufhin mit Atombomben bombardieren würde um die „Rechte“ des Amerikaners auch nachhaltig zu schützen.

Die 8.000 Opfer waren auch Menschen. Auch sie hatten Rechte. Ein bißchen mehr Menschlichkeit und ein bißchen weniger Arroganz, Hass und Doppelmoral würde dem Westen nicht schaden. Was für mich bleibt ist das Warten und Hoffen.


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