Seit dem 11. September gibt es eine weltweite Diskussion über den Islam. Die Mehrheit der Menschen kennen den Islam nicht und verstehen ihn auch nicht. Ist der Islam gefährlich? Was wird gepredigt? Was ist das Ziel des Islam?
Vor allem die Menschen im westlich-christlichen Teil der Erde sind besorgt. Kein Wunder – das Einzige was sie im Zusammenhang mit dem Islam und dem Koran zu sehen und hören bekommen sind Selbstmordattentäter, „Ehrenmorde“, Unterdrückung der Frauen und/oder ähnliches.Muslime auf der ganzen Welt sind aber auch bemüht das „Image“ der eigenen Religion aufzupolieren. Sie tun dies mit Informationsveranstaltungen, Diskussionsplattformen, Seminaren, Zusammenarbeit mit Nicht-Muslimen, Dialogsitzungen usw, usw. Oft wird das Motto „Islam bedeutet Frieden“ verwendet. Das soll soviel sagen wie, dass der Islam nicht gewalttätig ist, dass im Koran nicht die Gewalt, sondern der Friede gepredigt wird. Doch stimmt das wirklich?
Hier erstmal einige Zitate aus dem Buch:
- Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, wird mit dem Tod bestraft, der Ehebrecher samt der Ehebrecherin. [...] Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft [...].
- Zur Frau sprach er: [...] Du hast Verlangen nach deinem Mann; / er aber wird über dich herrschen.
- Wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, soll sie sich gleich die Haare abschneiden lassen. [...] Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.
- Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt.
„Habe ich es doch gewusst. Der Islam ist keine friedliche Religion!“ wolltet ihr doch gerade ausrufen. „Wenn in einem „heiligen Buch“ zu Tod und Mordschlag aufgerufen wird, dann kann man doch nicht von Frieden erzählen. Und dazu noch diese Ungleichberechtigung der Frau. Dieses Buch kann nicht heilig sein. Es ist eine Kampfschrift!“ wollt ihr doch argumentieren. Aber einen Moment bitte…. wo kommen diese Zitate eigentlich her? Welche Suren aus dem Koran wurden hier zitiert?
Hä?! Das ist ja komisch. Die Sachen stehen ja gar nicht im Koran. Hat sich das jetzt irgendein Islam-Hasser ausgedacht, um die armen westlich-christlichen Menschen zu täuschen? Nein. Bei einiger Recherche findet man die Aussagen von oben nicht im Koran, sondern in der Bibel:
- Zu Punkt 1: Altes Testament; Levitikus 20; 10.13,
- Zu Punkt 2: Altes Testament; Genesis 3; 16,
- Zu Punkt 3: Neues Testament; Korinther 11, 6.9,
- Zu Punkt 4: Neues Testament; Kolosser 3; 18.
Was ich hiermit sagen will ist, dass sowohl im Koran als auch in der Bibel Dinge stehen, die einen Menschen erst einmal irritieren können. Natürlich möchte ich hier keine „Strichliste“ führen mit der Anzahl der gewalttätigen Aussprüche aus den beiden Büchern, um damit deren Hass-Faktor zu bewerten. Vielmehr möchte ich darauf hinweisen, dass Moses, Jesus oder auch Mohammed nicht in eine tolerante Gesellschaft geboren worden sind. Es war eine kriegerische und gewalttätige Zeit. Für uns ist sie heute befremdlich. Zumal wir nicht mehr wissen was im alten und neuen Testament wirklich stand. Der Bibeltext ist über die Jahre stark verfälscht worden, was nicht nur Muslime behaupten.
Um sichere Aussagen und Interpretationen zu machen muss man religiöse Texte zusammenhängend lesen. Alle Stellen sind historisch eingebunden und sollten somit genau in diesem Zusammenhang betrachtet werden. Das kontextlose Herausziehen von Zitaten und deren Nutzung als Argumentationsgrundlage ist nur eingeschränkt sinnvoll. Meine Feststellung ist es jedoch, dass genau diese Art der Argumentation viel zu oft gewählt wird. Und leider viel zu oft wenn es um den Islam und den Koran geht. Und leider werden nur die Stellen herausgenommen, die besonderen Zündstoff bieten.
Es gibt sehr viele Stellen im Koran, die sich dafür besser anbieten würden. Sehr viele Stellen, die bedenkenlos aus dem Kontext herausgenommen und stündlich jedem eingetrichtert werden können/sollten:
- [...] Und bringt euch nicht selbst ums Leben; siehe, Allah ist barmherzig gegen euch. Und wer dies in böser Absicht zu Unrecht tut, wahrlich, den werden Wir im Feuer brennen lasse; und dies ist Allah ein leichtes. (Sure 4, 29 f.)
- Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels angeordnet, dass, wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer ein Leben erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten. [...] (Sure 5, 32)
- Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen. (Sure 16, 90)
- Wer Gutes tut, tut es für sich selbst, und wer Böses tut, der tut es gegen sich selbst. (Sure 45, 15)
Diese Stellen stellen die zentralen ethischen Gebote des Islams dar. Der Islam ist also eine friedliche Religion. Der Islam verabscheut also das Gewalttätige und fördert den Frieden, die Toleranz und die Nächstenliebe. Natürlich werden „Unverbesserliche“ das Gegenteil behaupten und wieder werden sie mit den angeblichen gewalttätigen Passagen des Koran argumentieren. Es sind auch genau diejenigen, die keine der heiligen Bücher je gelesen haben und nie lesen werden. Dem Islam fehlt es einfach an der Lobby in den Medien.
Über den Islam gibt es Schreckensmeldungen aus der ganzen Welt, über das Christentum gibt es die 30 Sekunden langen RTL-Bibelclips. Seit mehr als 6 Jahren werden diese gesendet. Sie greifen aktuelle Themen und Ereignisse aus dem Zeitgeschehen auf und setzen sie in Kontrast zu biblischen Zitaten. Zumeist am Wochende und besonders am Sonntag und an Feiertagen gesendet sind die Clips, in Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche, mit zeitweise 6 Mio. Zuschauern ein echter Quotenrenner. Eins könnt ihr gewiss glauben: Keine von den 6 Zitaten aus der Bibel, die ich am Anfang genannt habe schafft es in diese Clips. Kein Wunder, dass der geneigte Zuschauer die Bibel als friedlich und den Koran als gewaltätig sieht.
Mein Vorschlag wären Koran-Clips, die besonders am Freitag und zu besonderen islamischen Festen auf im Fernsehen gesendet werden. Das würde auch mal die „andere Seite“ des Islams zeigen. Doch was würde der „tolerante Stammtischchrist/Stammtischwestler“ nach der Sonntagsmesse dazu sagen?
Womöglich „Ach, die zeigen in diesen Clips gar nicht die brutalen Zitate!“ Wie wahr, wie wahr…
Friede sei mit euch….
Verstehe ich das richtig? Die schönen Koranstellen können getrost aus dem Kontext genommen und dem Laien präsentiert werden, während die nicht ganz so harmlosen Stellen selbstverständlich nur im Kontext zu betrachten sind oder gar nicht erwähnt werden sollten? Man sollte die Menschen nicht derart einseitig informieren und ihnen das Blaue vom Himmel lügen. Bibel und Koran bieten reichlich kritikwürdiges, das man auch aussprechen muss.
Man kann einem Menschen (z. B. einem Kind) natürlich beibringen, dass der Islam Frieden bedeutet und Seelenheil mit sich bringt. Besonders dann, wenn man ihn indoktrinieren will. Wenn man dem Menschen aber die freie Entscheidung lassen möchte (was immer besser kommt, als ihm einfach eine Religion überzustülpen, nur weil man selbst der Ansicht ist, dass sie die einzig wahre ist), dann muss man diesen Menschen auch über die negativen Aspekte aufklären. Will er dann – wissentlich der Grausamkeiten in den Heiligen Schriften – daran glauben, so muss man das akzeptieren.
Objektivität ist das Stichwort. Bei einem Autokauf wollen Sie schließlich auch über Spritverbrauch, Motor, Geräumigkeit usw. Bescheid wissen und kaufen es nicht blind um jeden Preis, weil Ihnen der Verkäufer garantiert, dass sie damit von A nach B kommen. Informiert man Sie umfassend, so entscheiden Sie sich vielleicht anders, aber Sie fahren auf lange Sicht besser damit.
M.
Ich stimme dir zu, dass jemand über alle Aspekte der Religion aufgeklärt werden muss. Ich bin auch dafür, dass alle Gläubigen (Christen, Muslime, Juden,..) sich mit ihrer Religion auseinandersetzen. Denn nur so ist gewährleistet, dass er nicht blind um sich schlägt, weil er meint die Religion will es so.
Wie du wahrscheinlich gemerkt hast, habe ich die „kritikwürdigen“ Stellen nicht geleugnet. Ich habe mich nur dafür eingesetzt, dass man erst einmal verstehen muss, wie die betreffende Stelle gemeint ist. Wenn man jetzt losgeht und auf die Nennung einer „guten Stelle“ direkt mit einer „bösen Stelle“ antwortet, ist das nicht auch schon einseitiges informieren? Ist es das „Blaue vom Himmel lügen“ wenn man darauf hinweist, das die zentralen Gebote der Bibel und des Koran hier und nicht dort stehen?
Indoktrination ist natürlich ein schlechter Weg dem Menschen den Glauben nahezubringen. Kreuzzüge und Missionierungen sind hier ein abschreckendes Beispiel. Der Islam kennt eine Indoktrination in dem Sinne nicht. Ich kenne einige Christen und Atheisten, die zum Islam konvertiert sind. Sie wollten mehr über die Religion wissen und haben sich ihre Gedanken gemacht, haben gelesen und Dinge erfragt. Und Konvertiten, das kannst du mir glauben, sind anders als die, die „von Hause aus“ gläubig sind. Sie hinterfragen viel mehr, wollen alles ganz genau wissen. Am Ende haben sie sich entschieden dem Glauben anzugehören. Und wie du auch angemerkt hast muss man das so akzeptieren. Im Endeffekt ist Religion ein Glaube. Entweder du glaubst daran oder du lässt es sein. Wenn du daran glaubst, dass Religion (jedweder Art) gewalttätig ist und dies vehement verteidigst ist es deine Sache. Wenn du damit aber erreichen willst, dass einige Menschen die Religion aufgeben und „so denken wie du“ ist es auch eine blinde Nichtakzeptanz der Entscheidung eines freien Menschen.
Zu deinem Autokauf-Beispiel möchte ich noch folgendes hinzufügen. Man stelle sich vor der Verkäufer informiert umfassend: Der Wagen sieht zwar super aus, aber hat eine sehr schlechte Verarbeitungsqualität. Der frühere Besitzer war ein gesuchter Mörder. Der Spritverbrauch ist höher als bei anderen Wagen. Ich habe soviel Gewinnmarge auf den Preis geschlagen, dass es schon fast kriminell ist. Woanders finden sie einen ähnlichen Wagen sehr viel billiger. Ich würde kein Auto empfehlen, da es jährlich sovieltausend Tote bei Autounfällen gibt, usw. usw.
Man fragt sich, ob man bei soviel Informationen auf lange Sicht wirklich besser fährt oder eher besser geht.
Gewalttäter (auch im ganz großen Stil) finden ihre Weisheiten ebenso im Koran oder in der Bibel wie eine friedliebende Großmutter, die alle Menschen jeglicher Couleur gleichsam respektiert. Es hängt sehr vom Individum, vom Umfeld und vom „Lehrer“ ab, wie die Texte aufgefasst bzw. gewichtet werden.
Das Problem ist, dass es hier nicht eine Interpretation gibt, sondern meist sehr viele.
In eine umfassende Information gehört das alles reingepackt. Man darf einem Menschen z. B. nicht nur erzählen, dass Allah „allvergebend, allbarmherzig“ ist, sondern muss auch erwähnen, dass dies nur für Gläubige, nicht aber für Ungläubige gilt.
Was sind schon zentrale Gebote? Allah ist unfehlbar, steht im Koran. Also ist auch der Koran unfehlbar und wenn dort drin steht, Dieben gehören die Hände gewaltsam amputiert (5,38), dann hilft es dem Delinquenten im Ernstfall nicht, dass Allah „allverzeihend, allbarmherzig“ ist.
Die Indoktrination (Manipulation durch Zufuhr von „ausgewählten Informationen“) gibt es natürlich in jeder Religion, auch im Islam. Oder denkst Du, dass irgendein Kind diese Religion freiwillig annehmen würde, wenn es von all den schrecklichen und grausamen Strafen (in der Bibel steht z. B. dass die Gerechten von den Ungerechten geschieden werden; die Ungerechten werden ewige Höllenqualen erleiden) wüsste? Beileibe nicht. Man zwingt einem Kind nicht umsonst dann schon die jeweilige Religion auf, wenn es noch zu klein ist, um selbst zu entscheiden. Aus Angst, es würde anders wählen.
Religion jedweder Art ist nicht gewalttätig. Aber es hängt eben stark von der Lehre ab, wie sich die Gläubigen verhalten. Im Buddhismus z. B. – der keinen Allmachtsanspruch und Allwahrheitsanspruch beinhaltet, sondern zur kritischen Reflexion einlädt und bereitwillig andere Glaubensrichtungen toleriert und akzeptiert, findet man so gut wie keine religiös motivierte Gewalt, weil keine Schrift vorhanden ist, in der dazu aufgerufen wird bzw. die Gewalt legitimiert wird.
Grundsätzlich war meine Überlegung beim Autokauf diese: Wenn Sie sich über einen Wagen informieren, wollen Sie die wesentlichen Daten (Vor- und Nachteile) in Erfahrung bringen, um auf längere Sicht Spass damit zu haben. Der frühere Besitzer ist hier z. B. völlig irrelevant. Der absatzorientierte Verkäufer handelt jedoch meist ebenso unsittlich wie ein gläubiger Vater, der sein Sohn über’s Ohr hauen möchte, indem er ihm die wesentlichen Nachteile bewusst verschweigt, weil er dann Angst haben könnte, dass der Käufer/Sohn nicht darauf einsteigt.